They shall not pass! SIE WERDEN NICHT DURCHKOMMEN !

They shall not pass!

Zum Umgang mit traumatisierenden Folgen von Polizeigewalt

Quelle: Gruppe „Out Of Action“

Ein Ziel von Repression und Machtmechanismen ist es, Menschen einzuschüchtern und ihnen ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber staatlicher Herrschaft zu vermitteln. Wer politisch aktiv ist, kann in Situationen kommen, in denen Gewalt gegen einen selbst oder gegen nahe stehende Menschen ausgeübt wird. Dies kann auch von Täter_innen wie Nazis und ähnlichem ausgehen.
Solche Angriffe wirken oft auf emotionaler Ebene wesentlich länger nach, als sichtbare körperliche Wunden.
Natürlich führt nicht jedes heftige Erlebnis zu einem Trauma.
Da spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Wichtig zur Bewältigung von emotionalem Stress ist z.B. ein unterstützendes Umfeld. Ist dies nicht gegeben – z.B. wenn es ein Tabu ist, über Ängste zu sprechen – dann ziehen sich die Betroffenen oft aus ihrem politischen und persönlichen Umfeld zurück. Es sollte unserer Meinung nach Teil eines linken Selbstverständnisses sein eine Basis zu schaffen, die den Umgang mit Angst und den Emotionen nach einem traumatischen Erlebnis ermöglicht. Im Prinzip kann jede gefährliche Situation, in der eine Person handlungsunfähig ist (oder sich so
fühlt) zu einer Traumatisierung führen.

Physische Wunden erfahren in der Regel viel Aufmerksamkeit, doch psychische Wunden sind genauso behandlungsbedürftig.
Auch das bloße Mitansehen von Gewalt kann zu einer Traumatisierung führen. Oft werden Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten als „zu schwach“ stigmatisiert. Doch diese Erfahrungen sind kein privates Problem.
Letztendlich ist eine funktionierende Bezugsgruppe, in der es einen bewussten Umgang mit Gefühlen wie Angst, Ohmacht, Hilflosigkeit, Panik usw. gibt, die beste Prävention.

Mögliche Reaktionen nach einem Trauma

Die folgenden drei ‚Phasen‘ können in beliebieger Reihenfolge nach-, nebeneinander oder auch gleichzeitig auftreten, manchmal tun sie oder einzelne von ihnen es auch überhaupt nicht.:

1.    Widererleben des Erlebten
Alpträume, Flashbacks, intrusive (immer wiederkehrende) Erinnerungen, das Gefühl, dass das Erlebte einen nicht mehr los lässt, etc.<

2.    Vermeidung-/ Verdrängungsverhalten
Erinnerungsverlust, erhöhter Alkohol / Drogenkonsum, Selbstisolierung, Vermeidung von allem, was mit dem Erlebten zu tun hat oder einen daran erinnert, Aufbau einer Distanz zu dem Geschehenen etc.

3.    Übererregbarkeit
Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Gefühls- und Wutausbrüche, Angst, Panik, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit, etc.

Wie Du andere in deiner Bezugsgruppe unterstützen kannst

• Warte nicht, bis Du um Hilfe gefragt wirst, sondern sei einfach für sie/ihn da. Gib nicht auf, auch wenn Du vielleicht das Gefühl hast vor einer Mauer zu stehen.
•  Die Tage direkt nach der Erfahrung sind besonders wichtig zum Reden, danach wird oft „zugemacht“.
•   Vielleicht fühlst Du Dich unsicher und weißt nicht, wie Du Dich verhalten sollst. Informiere Dich über Trauma, um die Reaktionen besser verstehen zu können. Einfach „normal“ sein, ohne zu bemitleiden und ohne aufdringlich zu sein, kann viel helfen. Bemüh dich gleichzeitig den Reaktionen gegenüber tolerant zu sein. Das Wichtigste ist, dass DeinE FreundIn sich in Deiner Gegenwart wohl und sicher fühlt.
• Traumatisierte Menschen isolieren sich häufig und haben Schwierigkeiten, um Hilfe zu bitten. Sie wollen kein Mitleid, sondern Verständnis, keine aufgedrängte Hilfe, sondern Einfühlungsvermögen.
•Vergiss nicht, dass Menschen nach traumatischen Erlebnissen anfangs oft ok erscheinen und die Reaktionen erst später auftreten können.
•Sei einE gute ZuhörerIn. Vermeide es, zu bald, zu lange und zu viel zu reden. Oft tendieren wir dazu Rat zu geben, anstatt wirklich zuzuhören….

Durch einen Mangel an Unterstützung können die Reaktionen verstärkt werden, was als sogenannte „sekundäre Traumatisierung“ bezeichnet wird. (Dass von TäterInnen keine gute Behandlung zu erwarten ist, ist klar, aber wenn jemand hinterher das Gefühl hat, seine/ ihre FreundInnen sind nicht für ihn/sie da, bricht die ganze Welt zusammen….). Diese sekundäre Traumatisierung kann oft schwerwiegender sein, als das Erlebte und ist daher äußerst ernst zu nehmen. Achte darauf, dass Deine Freundin/Freund sich nicht allein gelassen fühlt.
•Gute TherapeutInnen können helfen. Mit einem gebrochenen Bein gehst Du ja auch zum Arzt… Ein Trauma ist sozusagen eine psychische Wunde. Der/die TherapeutIn sollte Erfahrung mit Trauma-Arbeit haben. Sonst bringt es oft nicht viel
• Auch für Dich gilt – diese Zeit kann sehr schwer sein, aber sie geht vorbei. Pass auf dich auf und sei gut zu dir. Rede mit jemandem/frau darüber, wie es DIR geht.

Ausführlichere Informationen und Hilfeangebote findet ihr bei der Gruppe „Out of Action“.

Gebt acht aufeinander!

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